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30.10.02
Babysitter-Boogie für bin Laden
("Ey Aktuell!" - Aktuelle Nachrichten. Setzt dem Terror neue Grenzen.)

Killereichhörnchen der al Quaida greifen an! In Bochum attackierte solch ein Terrortier zwei wehrlose Jugendliche, krabbelte unter deren Pullover, zerkratzte ihre Rücken, biss in einen Finger. Nach diesem unerwarteten Angriff mussten die Opfer des internationalen Terrorismus im Krankenhaus behandelt werden. Und unwahrscheinlich ist es nicht, dass bin Ladens teuflische Truppe ein Ausbildungscamp für Eichhörnchen eingerichtet hat, in denen den possierlichen Tierchen beigebracht wird, wie sie die Welt tyrannisieren können. Denn immerhin ist die Terrororganisation auch für die Weltwirtschaftskrise verantwortlich, für das schlechte Wetter, für die Staus auf den Autobahnen und für schlechte Musicalproduktionen. Aus friedlichen und scheuen Tieren werden unbezwingbare, nicht zu unterschätzende Kriegskolosse – der Terrorismus nimmt immer neue Formen an.

Und auch dessen Bekämpfung wird immer kreativer. Die US-Army wird demnächst Babygeschrei einsetzen, um Terroristen und andere üble Zeitgenossen aus ihren Verstecken zu vertreiben. Mit einem Geräuschstrahler, der gezielt eingesetzt werden kann, will das Militär die Wahnsinnigen soweit weiter in den Wahnsinn treiben, dass sie die weiße Fahne schwenken und um Gnade winseln.

"Babygeschrei", werden sich die Erfinder gedacht haben, "Babygeschrei ist schlimm. Es gibt nichts Schlimmeres als Babygeschrei." Die eigenen Vater-Mutter-Kind-Erfahrungen werden ihnen dabei geholfen haben, diese neue Wunderwaffe zu entwickeln. „Akustik ist ganz ähnlich wie Zahnschmerzen“, erklärt Peter Dotto, Mitarbeiter der militärischen Beratungsgesellschaft „M2 Technologies“. „Die Knochen im Schädel fangen zu vibrieren an, sodass es unmöglich wird, sich auf etwas anderes zu konzentrieren.“

Ob Papa Dotto sich da an unzählbare, schlaflose Nächte erinnerte, in denen Dotto Junior kreischte, plärrte und schrie? Und ob dem Militärexperten in solchen Ausnahmesituationen Zahnschmerzen lieber gewesen wären als den Nachwuchs zurück in den segenbringenden Schlaf zu wiegen? Und wie wird Osama bin Laden auf diese technologische Entwicklung reagieren? Wird er neben dem Lager für Eichhörnchen auch noch eines für Neugeborene einrichten, denen er beibringen wird, noch lauter zu schreien und noch nervötender zu plärren, nur, damit sie ihre Eltern noch erfolgreicher nerven können?

Und bloß nicht auffällig werden in diesen gar so schlimmen Zeiten. Bloß nicht anecken! Niemals unangepasste Klamotten tragen. Und nie, nie, nie etwas Falsches, Amerikafeindliches sagen - denn sonst könnte man für einen Terroristen gehalten werden. Oder schlimmer noch: Man könnte mit einem Außerirdischen von einem fern gelegenen, feindlich gesinnten Planeten verwechselt werden. Und dann wird man mit Steinen beworfen, sicher ist sicher, nicht, dass das böse, unangepasste Wesen einen terroristischen Anschlag begehen könnte.

So geschehen in der Westtürkei, in der sich ein Österreicher (rote Haare, stark gepierct) ohne böse Absichten das Land anschauen wollte. Die Einheimischen hielten ihn wegen seines Aussehens und seines Modeschmucks entweder für den Abgesandten des Teufels, einen Satanisten oder einen Außerirdischen, vielleicht sogar für einen knurrend-fauchenden Werwolf. Und dann flogen die Steine, sicher ist nun einmal sicher. Otto Schily würde das vermutlich Präventivschutz nennen. Der internationale Terrorismus muss gestoppt werden. Jetzt. Und zwar, bevor es zu spät ist.

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25.10.02
Die ganz alltäglichen Probleme von Sargnagelfetischisten oder Der tiefere Sinn der Deutschen Bahn
("Ey Aktuell!" - Aktuelle Nachrichten. Einmal hin und nie mehr zurück: Der Freitag.)

Was also ist der Sinn des Lebens? Keine besonders originelle Frage, wohl wahr, und möglicherweise stellten sie sich bereits die Neanderthaler und diskutierten darüber, ob lange Haare den Sinn ausmachen könnten. Oder das Grunzen in diversen Fremdsprachen. Oder das erfolgreiche Jagen proteinreicher Nahrung.

Und möglicherweise drifteten sie dabei in eine metaphysische Grundsatzdiskussion ab und hätten sich fast daran totdiskutiert, genauso, wie sich ein paar Jahre vorher die Dinosaurier in den Exitus manövriert hatten.

1983 fragten die Mitglieder von „Monty Python“ nach dem „Sinn des Lebens“, und was war ihre Antwort? Vielleicht, dass es wichtig ist, einen großen Vorrat an Pfefferminzplätzchen angelegt zu haben? Douglas Adams hingegen fragte nach „The deeper meaning of liff“ und definierte „Liff (n.)“ folgendermaßen: „A common object or experience for which no word yet exists.“ Sven Böttcher verdeutschte Adams´ „Wörterbuch der bisher unbenannten Gegenstände und Gefühle“ und fragte sich, was "Der tiefere Sinn des Labenz” sein könnte. Die Antwort: „Labenz, das: Ein allgemein bekannter Gegenstand oder eine vertraute Erfahrung, für den oder die bisher noch keine Bezeichnung existiert“.

Und wenn man länger darüber nachdenkt, wird es einem immer klarer: Es gab, gibt und wird niemals einen Sinn des Lebens geben, die eigenen Erfahrungen sprechen dagegen. Das Leben ist merkwürdig, seltsam und meistens ungemein schrecklich. „Stimmt“, wird sich ein marokkanischer Fötus gedacht haben, „das Leben ist schrecklich, damit fange ich lieber gar nicht erst an“ – und blieb konsequenterweise sechsundvierzig Jahre lang im Bauch seiner Mutter. Pariser Mediziner ließen mitteilen, dass die Schwangerschaft erst im Juli dieses Jahres entdeckt wurde, als sich die mittlerweile 75-Jährige Quasimutter wegen Bauchbeschwerden an das Uni-Klinikum in Rabat wandte. Zum Vorschein kam ein 3,7 Kilo schwerer, mumifizierter Fötus. Und was, wenn dieser die jahrzehntelange Isolation überlebt hätte? Was wären dessen ersten Worte gewesen?

Zumindestens endete vor kurzem der Wettbewerb der "Mars Society International". Kreative gaben dort Vorschläge ab, welches die historischen, ersten Worte auf dem Mars werden könnten, die ein Astronaut dort doch bitteschön aussprechen möge.

Jetzt stehen die Ergebnisse des Wettbewerbs fest. Besonders schön: "Houston, can I experiment and take my helmet off and see if I can actually breathe?" Oder: "And the search for Osama Bin Laden takes another giant step..." Oder: "Houston, explain, 'reboot life support'?" Und wäre das der Sinn des Lebens - einmal zu einem fremden Planeten reisen? Bloß nicht! Das Risiko, vergessen zu werden, wäre viel zu groß. Man schaue sich nur einmal an, wie es dem Zurückgelassenen in der Flashfilmserie "The Lonely Astronaut" ergeht. Schrecklich! Nein, der Sinn des Lebens muss ein anderer sein.

Und hätte die ehemalige Schwangere zu ihrem Vergnügen auch noch Nägel geschluckt, wäre aus ihrem potentiellen Kind vielleicht ein Filialleiter eines renommierten Baumarktes geworden – mit solch einer Vorbildung schon von der Pieke auf.

Doch nicht sie führte dieses eigentümliche Hobby, sondern der Quigong-Praktiker Wu Yungen. Innerhalb einer Woche hatte er bei seinen täglichen Aufführungen 162 Nägel geschluckt und musste kurz darauf notoperiert werden. Was, wenn sein Sinn des Lebens darin bestanden hätte, 163 Nägel zu verspeisen? „Fast wären die rostigen Metallstifte die Nägel zu Yungens (50) Sarg geworden“, kalauert „Blick“, die „größte Boulevard-Zeitung der Schweiz“.

Vielleicht hilft es einem bei der Suche nach dem Sinn des Lebens weiter, in der Bibel zu blättern. Die Bibel? Dieser Riesenschinken? Dieses Mammutwerk der Literaturgeschichte? Soviel Text soll man lesen, nur um zu wissen, was denn nun der Sinn von all dem hier sein könnte? Doch halt! Demnächst wird es die SMS-Bibel geben, die ersten drei Verse des Vaterunser lauten darin: "Vater im Himmel. Du bist heilig. Komm!" Der Internetdienst "GospelSearch" kommt aus Norwegen, und deswegen wird es die leicht verknappte Bibelversion für gestresste Workoholics zunächst einmal auf Norwegisch geben.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die "taz" ihre Gedanken gemacht, wie solch eine moderne, gestraffte Variante des BuchBuchs aussehen könnte.

Also dann - das alte Testament im Schnelldurchlauf: "erst himmel + erde, dann adam-eva-kain-abel-blut schreit zum himmel-noah-abraham-isaak-esau-jakob-schaffell-segen futsch." Und ob man den Sinn des Lebens überhaupt in Gott suchen sollte ist fraglich, aber zumindest weniger gefährlich als Atheist zu sein. Denn später, wenn man vor Ihm stehen sollte, hätte man aller Voraussicht nach deutlich bessere Karten, wenn man sagen könnte: "Ja, oh Gott, ich habe schon immer an dich geglaubt, darf ich jetzt ein ewiges Leben im Luxus führen? Wo ist der Großbildfernseher? Wo die alkoholischen Drinks? Wo der weihwassergefüllte Swimmingpool?"

Doch auch im Himmel wacht die GEZ über die Fernsehgebühren. Jüngst bekam die St. Johannes-Baptist-Gemeinde Post von der Gebühreneinzugszentrale in Köln - "Herr Johannes Baptist St." solle gefälligst sein Radio- und Fernsehgerät anmelden, auch wenn er "24.06.01 vor Christus" geboren wurde und damit längst nicht mehr unter den Lebenden weilen, geschweige denn wissen könnte, was ein Radio- oder Fernsehgerät ist. Pfarrer Franz Schnütgen füllte den Fragebogen trotz alledem aus - und zwar wahrheitsgemäß, ganz so, wie es sich für einen anständigen Christen gehört.

Zurück zur anfänglichen Frage: Worin genau besteht denn nun der Sinn des Lebens? Es gibt Kriege, Umweltkatastrophen, die Wirtschaftskrise, Terroristen, den Fernsehsender „Neun Live“ und Endemol – bleibt da überhaupt Platz für einen Sinn? Liebe Suizidgefährdete, wahrscheinlich habt Ihr Recht: Alles ist scheußlich. Alles ist vergebens. Und alles ist furchtbar sinnlos.

Der Zug ins Jenseits fährt auch in Eurer Nähe – bald jedoch mit dem neuen, verwirrenden Tarifsystem der Deutschen Bahn. Aber: „Bis zu vier Mitfahrer reisen immer für den halben Preis. Ob mit Familie, Freunden oder Bekannten - Begleitung zahlt sich künftig aus.“ Eine unglaublich sinnvolle Preispolitik, liebe Bahn, aber zum Sinn des Lebens tragt Ihr damit wohl eher weniger bei. Doch irgendwo muss es ihn geben, den Sinn, aufgeben werde ich noch lange nicht. Wer ihn gefunden hatte, melde sich bitte bei mir. Ich habe ihn nämlich verloren. Finderlohn garantiert.

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10.10.02
"Wer wird Schafburger-King?" und andere Gesellschaftsspiele
("Ey Aktuell!" - Aktuelle Nachrichten. Hiermit abgehakt: Der Donnerstag.)

Was, bitteschön, gibt es Schöneres, als unter einem hell leuchtenden Sternenhimmel spazieren zu gehen?

Und wie sie einen anfunkeln, die Sterne, wie sie leuchten, glitzern, strahlen, und wie sie einem das Herz erwärmen, wie es laut aufpocht, und wie schön die Welt doch sein kann. Romantisch, nicht wahr? Unsinn! Unheimlich ist das, regelrecht Angst jagt es einem ein. Denn der Mond ist auch noch da, und dort leben nun einmal Außerirdische, die uns arme Erdenmenschen anglotzen. Jeder von ihnen hat mindestens vierunddreißig Augenpaare, mit denen sie uns beobachten - und was sehen sie? Unwahrscheinlich viele und unwahrscheinlich fette Männer und Frauen, die vor ihren Fernsehern kauern und Chips, Junkfood und Pepsicola in sich hineinschütten. Aliens! Auf unserem Mond! Zumindest will uns das die russische "Pravda" glauben machen - und schon ist es aus mit der Romantik unterm Sternenzelt.

Wenig romantisch fand es wohl auch ein Känguru in seiner Gefangenschaft - es floh und wollte sich die schöne, weite Welt anschauen. Schade nur, dass das Hoppelpoppelwesen in Mannheim landete, denn besonders schön und weit ist Mannheim dem Rufe nach nun auch wieder nicht. Und Kleinstädte machen aggressiv - was liegt da näher, als ein paar Polizisten zusammenzuschlagen? Das Känguru boxte, so gut es eben ging, doch am Ende verlor es den Kampf um die Freiheit.

Den Kampf um Quotenfreiheit versucht Gerhard Delling zu gewinnen. In seiner Mediensendung "Zapp" rief er zum "Projekt 18" auf. Achtzehn Zuschauer im Senderaum des NDR sollen sich von nun an "Zapp" anschauen. Achtzehn Zuschauer! Das muss doch hinzubekommen sein. Doch halt - sie müssen ein Quotenmessgerät der Gfk besitzen, sonst wäre die Aktion schließlich unsinnig. Mit "Projekt 18" will Delling die Quoten seiner Sendung in die Höhe treiben. Hoffen wir, dass es gelingt, denn schlecht ist das Magazin nicht, wenn man davon absieht, dass nur an der Oberfläche gekratzt wird.

Was gibt es sonst noch über Delling zu erzählen? Man nehme ein Lexikon und schlage nach. "Delling, der - Bezeichnung für eine konstruierte Überleitung von einem Thema zu einem vollkommen anderen. Benannt nach Gerhard Delling, dem maßgeblichen Erfinder dieser Moderationsart. Vermutlich erste Definition des Dellings in der 'Harald-Schmidt-Show'", ist dort zu lesen. Ein Delling kommt im Übrigen selten allein, man zähle bei der nächsten "Zapp"-Ausgabe nach, wie oft sich unser geliebter Moderator verdellingt. Und hoffen wir, dass "Canale Grande" zurückkehrt, die einzig wahre Infoshow über Medienmogule, unsinnige Fernsehformate und Medienmüll.

Apropos Medienmüll: Neulich ist mir ein tolles, neues Spielshowkonzept eingefallen: Der Titel der Sendung wäre "Wer wird Superautist?", und dabei würde es sich wieder einmal um eine Quizvariante handeln. Je nach seinem Spezialgebiet würde der autistische Kandidat abgefragt werden."Wie war das Wetter am 5.8.1962?", könnte eine Frage lauten, wenn der Autist alle Wetterverhältnisse verschiedenster Jahrzehnte auswendig könnte. Ich zumindest würde mir diese Sendung anschauen, aber ich schaue ja fast jeden Scheiß.

Für fast jeden Scheiß war auch eine ostfriesische, verdauungsfreudige Schafsherde verantwortlich. War! Denn 170 Tiere sind verschwunden - alle weg. Im gesamten Sommer sind 330 Schafe abhanden gekommen. Ob die Mondmänner Schuld daran haben? Ob sie gar Schaffetischisten sind und die blökenden Wollwesen mit einem grüngelblich wabernden Strahler zu sich in die Mondstädte teleportierten? Und was wollen sie von den Schafen? Das, was ihnen auch schon die Ostfriesen angetan haben, oder kommen sie bei den Außerirdischen lediglich auf den Tisch? Der Mann im Mond lebt nun einmal nicht von Brot allein, ein leckerer Schafburger ist mitunter auch etwas Feines. Dazu Ketchup, Röstzwiebeln und Gürkchen - herrlich delikatös. In diesem Sinne: Guten Appetit, ihr gottlosen Wesen.

Doch gibt es überhaupt einen Gott, an den die Aliens oder wir Menschen glauben könnten? Bekannte Persönlichkeiten wie Conan O'Brien, Stan Lee, Trey Parker, Matt Stone und Elmore Leonard antworten. In der nächsten "Ey Aktuell!" werde auch ich mich mit dieser Thematik auseinandersetzen, aber vor allen Dingen wird es darum gehen, ob das hundsgemeine Leben überhaupt einen Sinn hat oder ob es nicht sinnvoller wäre, sich im nächsten Baumarkt einen Strick zu kaufen und Suizid zu begehen. Ob zumindest Dellings einen Sinn machen soll hiermit ausreichend geklärt sein.

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