Das kostenlose Abonnement
(mit Bonusmaterial!)
anmelden abmelden
27.12.03



Sieht 2009 geringfügig älter aus, wird dafür aber "Tag um Tag schöner und schöner".



Anscheinend ist Christoph Schultheis (taz) auf die von Herrn Joffe bereits vorgewärmte Zeitmaschine gehüpft und bringt von seinem Trip in die Zukunft neueste Neuigkeiten mit:

"'Wer hätte das gedacht?', schreiben aus gegebenem Anlass auch die Zeitungen, allen voran die FAR, die sich dieser Tage das fünfjährige Jubliäum der 'Anke Engelke Show' als Erste vorknöpfte und auffällig ausführlich und reumütig an die wechselvolle Anfangszeit des Sat.1-Erfolgsformats erinnerte, während der (wir haben das nachgeschlagen) sich sogar die taz zu der Befürchtung hatte hinreißen lassen, Frau E. werde womöglich 'zur Christiansen der Abendunterhaltung'. Aber Schwamm drüber! Wir wollen schließlich nicht Frau E. mit Frau C. vergleichen. Oder Äpfel mit Birnen. Nein, das wollen wir nicht. Und nicht nachtreten. Nachtreten schon gar nicht - zumal die Engelke, wenn wir die FAR korrekt verstanden haben, momentan ohnehin 'eine Art Wandlung' durchmacht und 'Tag um Tag schöner und schöner' wird. Oder so."

Weitere Nachrichten aus der Zukunft: Es wird kostenloses Toilettenpapier dank Bannerwerbung geben (hurra!), Microsoft kündigt Handfeuerwaffen mit Internetzugang an (oha!) und Tom Cruize bringt sich selbst um - und das gleich zwei Mal (Prominenten-Blabla!).

|Verlinken?|


17.12.03
"Einmal saß sie in einer Vollversammlung der Studenten. Vorne erklärte jemand, wir sind erfolgreich, weil wir in den Medien sind. Ihr Nachbar stieß sie an: 'Entschuldige, ich habe gerade nicht richtig zugehört. Warum sind wir gleich erfolgreich?' – 'Weil wir in den Medien sind.' – 'Und sonst?' – 'Nix.'"

|Verlinken?|


16.12.03
Acht Artikel Hass

*
"Mit den Studenten ist es wie mit den Achtzigern: Schon als man Teil dieses unerfreulichen Zusammenhangs war, konnte man ihn kaum ertragen. Zwanzig Jahre hat sich daran nichts geändert. Sie sehen immer noch so aus wie früher, sagen auch immer noch die gleichen Sachen und glauben immer noch, gerade den Toaster erfunden zu haben. Loswerden tut man sie auch nicht."

*

"Und da momentan die Studenten ja ohnehin mehr auf der Straße als im Vorlesungssaal sind, planten sie für gestern Abend in München eine Demonstration für die Weiterführung der Schmidt-Show. Angekündigt hatte sich auch Bayerns SPD-Fraktionschef Franz Maget. Dabei ist doch der Wahlkampf im Freistaat lange vorbei."

*

"Dieser Text sollte eine Laudatio werden auf einen der Großen der deutschen Comedy, auf Harald Schmidt. Aber daraus wird nichts: Schmidt, der Goliath der deutschen Humors, hat keine verdient. Die deutsche Antwort auf Tom Sharpe, Douglas Adams und P.G.Woodhouse war einst unsere letzteste & einzigste Hoffnung, nicht mit Lachverweigerern wie Ilja Richter, Frank Zander oder Roger Willemsen in Rente gehen zu müssen. Jetzt lässt Er uns allein mit unseren TV-Zombies, nimmt die dicken Kinder von Landau mit, lässt Bimmel und Bommel verschwinden, dekonstruiert sich selbst."

*

"Nie war die 'Harald-Schmidt-Show' so berechenbar wie heute. Nie schwamm sie so aalglatt auf den sanften Wellen des bundesdeutschen Mainstream wie heute. Die Deutschen sind gegen den Krieg im Irak? Die Harald Schmidt-Show erst recht. Die Mehrheit der CDU-Mitglieder missbilligt Angela Merkels pro-amerikanischen Kurs? Harald Schmidt präsentiert sie als Stiefelleckerin und nennt sie 'Marlene Dietrich'. Der Harald von 1998 hätte ein paar gute Zoten gegen die Friedensdemonstranten und das 'Schwänzen für den Frieden' auf Lager gehabt. Gegen Leute, die Zivilcourage für sich reklamieren, obwohl der Bundesumweltminister neben ihnen auf der Demo läuft und der Kanzler auf dem Weltparkett ihre Position vertritt. Der Schmidt von 2003 hat sein Herz für die Deutschen entdeckt. Nun, irgendwann möchte halt jeder mal zu Hause ankommen. Harald Schmidt hat schon als Teenager gewusst, dass er eines Tages der Showmaster der Nation sein wird. Nun hat er es geschafft. Höchste Zeit, aufzuhören."

*

"Die Trauer des Feuilletons ist nett, aber sie ist langweilig und retro. Denn der Harald-Schmidt- Fan um die dreißig bis um die vierzig beschäftigt sich damit, darüber zu grinsen, wie andere, die auch keinen Spaß haben, böse Scherze machen. Das Vergnügen könnten sie auch im richtigen Leben haben. Wenn sie mal selbst aus sich rausgingen. Und witzig würden. Geistreich. Intelligent. Ganz alleine. Ohne einen, der ihnen spätabends das Gefühl abnimmt, den ganzen Tag nichts erlebt zu haben, wovon es sich am nächsten Tag zu erzählen lohnt. Schmidt hört auf. Das ist schade. Aber schlichte Gemüter können sich mit einer Hoffnung trösten: Vielleicht wird ja nun das Feuilleton besser."

*

"Eben noch 'herausragend wie Gulliver bei den Zwergen' (Frankfurter Rundschau), steht er seinen Kollegen nun Auge in Auge gegenüber, als ein weiterer Fernseh-Heini, der mit allerlei Budenzauber darüber hinwegtäuschen will, wie überflüssig er ist."

*

"Seit Harald Schmidt seine 'kreative Pause' angekündigt hat, werden für den Entertainer alle Glocken geläutet. Schmidt selbst schweigt zwar beredt in eigener Sache, aber die Medien, allen voran die sogenannte Qualitätspresse, sind voll von seinem Abgang, bringen Nachrufe, als ob 'His Schmidtness' verstorben wäre, oder spekulieren über seine Rückkehr zur ARD, als ob er wiedergeboren würde."

*

"Ich bin gegen das Kiffen, weil es zufrieden macht. Als Kiffer hast du keinen Biss mehr. Bekifft kannst du lediglich supergut Nachrufe schreiben, weil da eh nur Positives drinstehen darf. Koksen macht größenwahnsinnig, Kiffen macht harmoniesüchtig."

*

|Verlinken?|


14.12.03
"Saddam Hussein gefasst - 'Wir haben ihn'"









"Raubkopierer sind Verbrecher - Eine Initiative zum Schutz des Originals."













"Ho? Ho? Ho?"










|Verlinken?|


13.12.03
The George W. Bush G. I. Joke Action Figure:

"Fully posable - move & manipulate him just like big oil & the extreme right wing do!"

Das ideale Weihnachtsgeschenk für Vater, Mutter, Kind und Hund. So wunderbar patriotisch kann das Weihnachtsfest sein!

|Verlinken?|


9.12.03
*

"Gott ist tot."

*

"Am 29. Dezember wird Schmidt vertragsgemäß einen Jahresrückblick moderieren und dem Sender am 8. Januar 2004 zum 20. Geburtstag gratulieren. Wann er danach seine Bildschirmpause beendet – und bei welchem Sender – ist völlig offen."

*

"Kreative Pause. So einfach macht es sich ausgerechnet Harald Schmidt. 'Eine kreative Pause' brauche er, lässt er sich in die Begründung für seinen plötzlichen Abschied schreiben. So eine Phrase hätte er Kerner oder Beckmann niemals durchgehen lassen. Auseinander genommen hätte er sie. Gefragt, ob das bedeuten solle, dass sie in der Pause endlich mal kreativ werden wollten. Und dann ab in die Werbepause."

*

"Deutschland muss den Aufschwung allein schaffen. Ohne die bittersüße Nachhilfe spätabends, wenn alles keinen Sinn mehr ergibt und auch die Tagesthemen nicht mehr weiter wissen. Ohne die leise Hoffnung, dass es doch Humor gibt in diesem Land, Ironie und Sarkasmus. Lebenshilfe in auswegloser Lage. Hoffnung."

*

"Vielleicht tritt er ja gar nicht ab. Vielleicht gibt es die Harald Schmidt Show schon im Januar auf einem anderen Sender oder sogar weiterhin bei Sat.1, und alles war nur ein weiterer Stein in dem Mosaik der selbstreferentiellen Inszenierung dieser Show und vor allem ihres Moderators. Vielleicht will Harald Schmidt ja einfach mal sehen, was passiert, wenn er seinen Abschied ankündigt."

*

"Sie hören nun auf. Und ich denke, dass ich auch aufhören muss. Ich fliege morgen zu meinem brasilianischen Freund, der den Regenwald retten will. Seine Frau arbeitet in den Favelas. Ich will mich da nützlich machen. Ohne Sie habe ich auch keinen Bock mehr in Deutschland."

*

"All das hat jetzt sein verdientes Ende erlebt, auch wenn der Sender behauptet, dass H.S. nur eine 'kreative Pause' einlege. Nein, das Ende muss sozusagen ein finales sein. Denn Schmidt hat etwas getan, was in diesem Land heftiger geahndet werden muss, als BMW-Dienstwagen fürs Arbeitsamt zu ordern. ER HAT DIE IRONIEFREIE ZONE DEUTSCHLAND ZERSTÖRT."

*

"SZ: Herr Schmidt? Sind Sie das jetzt selbst?

Schmidt: Ja. Aber ich sach nix."


*

"'Eng in Verbindung' wolle er nun mit Sat 1 bleiben, vielleicht nach einer Pause verändert zurückkehren. Das Fernsehgeschäft lässt solche Comebacks in aller Regel nicht zu. Eine Ära geht zu Ende. Gut für den Schlaf vor Mitternacht."

*

"Für einen Nachruf auf Harald Schmidt besteht noch kein Anlass. Er ist nicht gestorben und er hat sich nicht vom Fernsehen verabschiedet."

*

"Sie warten vielleicht immer noch auf einen Witz. Es wird keiner mehr kommen. Sie können jetzt aufhören zu lesen."

*

|Verlinken?|


4.12.03
Es ist eine dieser Nächte, in denen meine Augen nicht zufallen wollen - schlaflos in Deutschland kann ganz schön grausam sein. Lesen hilft, denke ich mir, und so blättere ich mich durch ein paar virtuelle Qualitätszeitungen. Eine berichtet über einen Fischmörder:

"Letztlich musst du nämlich eine bestimmte Art Mensch sein, um Kanzler zu werden, diese Art Mensch hat ein falsches Lächeln und kann unangenehm werden. Hans Jochen Brecht weiß das, weil er alle Kanzler seit Brandt aus der Nähe kannte. Er ist der Mann, der eigenhändig Helmut Kohls Fische getötet hat, einen nach dem anderen und zwar mit dem Messer."

Und was macht eigentlich der aktuelle Kanzler, unser armer Schröder?

"... Und Schröder, unser armer Schröder? Hatte drüben in China wenigstens einen einzigen glücklichen Moment. Als er mal nicht mit den Dynamikern aus der deutschen Wirtschaft oder den Despoten aus der chinesischen Politik reden musste. Als er allein in seinem großen Hotelbett lag und plötzlich Besuch bekam. Drei Männer traten herein und brachten dem Kanzler ein nächtliches Ständchen. Drei Chinesen mit dem Kontrabass."

Und wie geht es dem halbwegs befreundeten Ausland?

"Die Steuern sind weiter hoch, die Renten der meisten niedrig wie gehabt, die Realeinkommen sinken Monat um Monat - und Berlusconis CD kostet stolze 21,50 Euro."

Und die "Bild" macht wie immer Meinungsmache:

"Es gab mal eine Zeit, in der hätten es Bild-Chefredakteure vermieden, den Anschein von Interessenskollision zu erwecken. Sie hätten zumindest dafür gesorgt, dass es niemand merkt, wenn sie das Massenblatt dafür nutzen, um Werbung für ihre Ehefrau zu machen."

Und Franz Josef Wagner schreibt wie immer einen Brief:

"Lieber Kannibale, ..."

Und ich? Ich gehe jetzt ins Bett. Medien machen müde. Endlich.

|Verlinken?|